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Pflanzendiagnose

Warum rollen sich meine Tomatenblätter ein?.

Eingerollte Tomatenblätter sind meist eine Schutzreaktion der Pflanze auf Hitze, Trockenheit oder starken Rückschnitt und meist harmlos. So unterscheidest du das von Herbizidschäden, Blattläusen und gefährlichen Viren.

Von der Pocket Botanist Redaktion ···4 Min. Lesezeit

Tomatenblätter rollen sich aus vielen Gründen ein, und die wichtigste Nachricht zuerst: Der häufigste Grund ist völlig harmlos. Jeden Sommer schneiden viele Leute gesunde Pflanzen kahl oder greifen zum Spritzmittel, weil sich die unteren Blätter wie Zigarren einrollen. Meistens spart die Pflanze damit bloß Wasser. Die Kunst liegt darin zu erkennen, woran es liegt, denn manche Ursachen sollte man frühzeitig behandeln.

1. Physiologisches Blattrollen (der Regelfall)

Das Schadbild: Ältere, untere Blätter rollen sich der Länge nach nach oben und innen ein, fühlen sich dick und ledrig an, bleiben aber grün. Die Pflanze blüht und bildet weiter Früchte. Das passiert nach einer Hitzewelle, nach starkem Regen auf Trockenheit, nach zu starkem Ausgeizen oder bei spät gepflanzten Tomaten. Stabtomaten zeigen das häufiger als Buschtomaten.

Es ist eine Stressreaktion und keine Krankheit: Das Blatt verkleinert seine Oberfläche, um weniger Wasser zu verdunsten. Was du tun kannst: An den Blättern gar nichts. Gieße gründlich und gleichmäßig, mulche die Erde für eine stabile Feuchtigkeit, geize nicht zu viele Triebe auf einmal aus und schattiere die Pflanzen bei extremer Hitze, wenn möglich. Eingerollte Blätter bleiben zwar so, neue Blätter wachsen aber normal nach und der Ernte schadet es nicht.

2. Herbizidschäden

Das Schadbild: Neue Triebe verdrehen sich und wölben sich nach unten, Stängel biegen sich und die Blätter wirken schmal und farnartig, teils mit verdickten Blattadern. Das zeigt sich innerhalb weniger Tage an der ganzen Pflanze und oft auch an Nachbarpflanzen. Tomaten reagieren extrem empfindlich auf Wuchsstoff-Herbizide aus Rasenunkrautvernichtern. Da reicht schon, wenn die Nachbarn an einem windigen Tag Löwenzahn spritzen. Belasteter Kompost oder Mist von behandelten Weiden verursacht dasselbe und hält sich länger im Boden.

Was du tun kannst: Wenn es nur ein kleiner Sprühnebel war, wächst sich der Schaden meist in ein paar Wochen aus. Gieße normal weiter und warte ab. Kam es durch Kompost oder Mist, erholen sich betroffene Pflanzen selten. Die Erde solltest du dann mindestens eine Saison lang nicht für Tomaten, Bohnen oder Kartoffeln nutzen, bis das Mittel abgebaut ist. Iss keine Früchte von Pflanzen mit deutlichen Herbizidsymptomen.

3. Blattläuse und andere Sauger

Das Schadbild: Junge Blätter kräuseln und verziehen sich, auf den Blättern darunter klebt ein klebriger Film, auf dem sich manchmal schwarzer Rußtau bildet, und an den Blattunterseiten sitzen Gruppen kleiner grüner, schwarzer oder rosa Insekten. Weiße Fliegen und Thripse sorgen für ähnliche Verformungen mit eigenen Merkmalen: weiße Insektenwolken beim Berühren der Pflanze oder silbrige Streifen auf den Blättern.

Was du tun kannst: Ein kräftiger Wasserstrahl spült Blattläuse ab, wiederhole das alle paar Tage. Bei starkem Befall hilft Schmierseife oder Neemöl, am besten abends, um Bienen zu schonen. Fördere Nützlinge wie Marienkäfer und Schwebfliegen. Gekräuselte Blätter glätten sich nicht mehr, aber die Pflanze erholt sich, sobald die Schädlinge weg sind.

4. Viren

Das Schadbild: Blätter rollen sich nach oben, die Ränder vergilben, das Laub bleibt klein, die Pflanze kümmert und setzt kaum Früchte an. Oft fängt es an einer Pflanze an und greift über. Das Tomato-Yellow-Leaf-Curl-Virus wird durch Weiße Fliegen übertragen und ist vor allem in warmen Gegenden ein Problem. Andere Mosaikviren sorgen zusätzlich für Flecken und farnartige Blätter. Heilen lassen sich Viruskrankheiten nicht.

Was du tun kannst: Befallene Pflanzen zügig ausreißen und im Hausmüll entsorgen (nicht auf dem Kompost), um die anderen zu schützen. Bekämpfe Weiße Fliegen, reinige Hände und Werkzeug vor dem Wechsel zur nächsten Pflanze und wähle in der nächsten Saison resistente Sorten. Gesunde Jungpflanzen aus verlässlicher Quelle sind wichtiger als jedes Spritzmittel.

5. Wind, kalte Nächte und Pflanzschock

Eine frisch gepflanzte Tomate, die Wind, einer kalten Nacht unter etwa 10 °C oder dem plötzlichen Wechsel vom Gewächshaus in die volle Sonne ausgesetzt ist, rollt oft die Blätter ein und verfärbt sich für ein bis zwei Wochen leicht rötlich-violett. Die Pflanze passt sich bloß an. Schütze junge Pflanzen in den ersten zwei Wochen mit einem Vlies oder einer Haube, gewöhne sie langsam an draußen, dann erholen sie sich von selbst.

In dreißig Sekunden die Ursache finden

Wo tritt es auf? Nur an den unteren, älteren Blättern: Blattrollen. An neuen Trieben: Herbizid, Schädlinge oder Virus. Klebt es oder krabbelt etwas? Schädlinge. Sind alle Pflanzen auf einmal verdreht und farnartig gewachsen, auch die in anderen Töpfen? Herbizid. Zeigen sich gelbe Ränder, kümmerlicher Wuchs und greift es von Pflanze zu Pflanze über? Virus. Geht es der Pflanze sonst gut? Blattrollen, du musst dir keine Sorgen machen.

Blatt fotografieren und nachsehen

Wenn du dir unsicher bist, öffne Pocket Botanist und fotografiere die eingerollten Blätter. Die Diagnosefunktion zeigt dir die wahrscheinliche Ursache und den ersten Schritt zur Lösung, und im Chat kannst du direkt Fragen zu deinem Gießverhalten und dem Wetter klären. Kostenlos für iPhone und Android.

Quellen

  1. University of California Statewide IPM Program, "Tomato: physiological leaf roll." ipm.ucanr.edu
  2. Royal Horticultural Society, "Tomatoes: grow your own." rhs.org.uk

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