Der Bogenhanf, heute als Dracaena trifasciata eingestuft (früher Sansevieria trifasciata, was im Handel noch oft zu lesen ist), gehört zu den pflegeleichtesten Zimmerpflanzen überhaupt. Die Royal Botanic Gardens, Kew haben 2017 nach DNA-Analysen die gesamte Gattung Sansevieria zu Dracaena gestellt. An der Pflanze selbst hat sich dadurch nichts geändert. An der Pflege auch nicht. Die meisten Bogenhanfpflanzen gehen ein, weil sie wie normale Zimmerpflanzen gegossen werden statt wie Sukkulenten.
Warum zu viel Wasser das Problem ist
Der Bogenhanf stammt aus trockenen, steinigen Regionen Westafrikas. Seine dicken, fleischigen Blätter speichern Wasser über Wochen hinweg. Die flachen Wurzeln sind an seltene kräftige Regenfälle angepasst, auf die lange Trockenzeiten folgen. Dauerfeuchte Erde vertragen sie nicht. Sie nimmt den Wurzeln die Luft zum Atmen und begünstigt Pilze, die zu Wurzelfäule führen.
Wurzelfäule ist die häufigste Todesursache beim Bogenhanf. Die Anzeichen führen oft in die Irre: gelbe Blätter, matschige Stängelansätze und ein modriger Geruch aus dem Topf. Viele halten die gelben Blätter fälschlicherweise für Trockenheit und gießen noch mehr, was alles schlimmer macht. Wenn dein Bogenhanf schlappmacht, steck erst den Finger in die Erde, bevor du zur Gießkanne greifst.
Ein Gießrhythmus, der funktioniert
Vergiss den Kalender. Nach festen Wochentagen zu gießen geht meistens schief. Mach es lieber so:
- Stecke einen Finger etwa 5 cm tief in die Erde.
- Wenn du noch Feuchtigkeit spürst, warte ab. Prüfe es in ein paar Tagen noch einmal.
- Ist die Erde komplett trocken, gieße gründlich, bis das Wasser unten aus dem Topf läuft.
- Leere den Untersetzer aus. Lass den Topf nie im Wasser stehen.
Als grobe Orientierung für die meisten Wohnungen:
- Frühling und Sommer, heller Standort: alle 2 bis 3 Wochen
- Frühling und Sommer, wenig Licht: alle 3 bis 4 Wochen
- Herbst und Winter, heller Standort: alle 4 bis 6 Wochen
- Herbst und Winter, wenig Licht: alle 6 bis 8 Wochen (oder seltener)
Anpassen an die Jahreszeit
Im Winter, wenn die Tage kurz sind und es in der Wohnung kühler wird, legt der Bogenhanf eine Ruhepause ein. Er wächst kaum und verbraucht fast kein Wasser. Eine Pflanze, die im Juli alle drei Wochen Wasser braucht, kommt im Januar gut zwei Monate ohne aus. Wer im Winter einfach nach Sommerrhythmus weitergießt, riskiert schnell Wurzelfäule.
Bleibt es bei dir im Winter durchgehend warm und hell, gieße wie im Sommer. Die Pflanze richtet sich nach Licht und Temperatur, nicht nach dem Datum.
Die Blätter richtig deuten
Die Blätter zeigen dir ziemlich genau, was der Pflanze fehlt. Die häufigsten Signale:
- Runzlige oder eingerollte Blätter: Die Pflanze hat Durst. Einmal gründlich gießen. Meistens werden die Blätter innerhalb eines Tages wieder prall.
- Gelbe, weiche Blattansätze: Zu viel Wasser und vermutlich Wurzelfäule. Nimm die Pflanze aus dem Topf, schneide matschige Wurzeln ab, bestäube die Stellen mit etwas Zimt oder Bewurzelungspulver und setze sie in frische, trockene Erde.
- Braune, trockene Blattspitzen: Meistens zu wenig Wasser, manchmal trockene Luft. Fast nie gefährlich.
- Blasse, ausgeblichene Blätter: Zu viel direkte Sonne. Stelle die Pflanze etwas weiter weg vom Fenster.
- Langer, auseinanderfallender Wuchs: Zu wenig Licht. Stelle sie näher ans Fenster.
Erde und Töpfe
Nimm Kakteen- oder Sukkulentenerde. Alternativ mischst du normale Zimmerpflanzenerde mit Perlit oder Bims im Verhältnis zwei zu eins. Die Mischung sollte sich sandig anfühlen und Wasser sofort ablaufen lassen.
Tontöpfe eignen sich besonders gut, weil sie Feuchtigkeit über die Wände nach außen abgeben. Das schützt vor zu viel Nässe. In Plastik- oder glasierten Töpfen solltest du etwas seltener gießen als oben angegeben.
Giftig für Haustiere und Kinder?
Leicht giftig. Die ASPCA stuft den Bogenhanf (unter dem englischen Namen „Mother-in-Law's Tongue“) als giftig für Katzen und Hunde ein. Der Wirkstoff ist ein Saponin, das beim Kauen zu Übelkeit, Erbrechen und Speicheln führt. Das ist selten lebensbedrohlich, aber unangenehm. Halte die Pflanze außer Reichweite von Haustieren, die gerne Blätter anknabbern. Bei Verdacht auf eine Vergiftung wende dich an eine Tierarztpraxis oder an das ASPCA Animal Poison Control Center unter (888) 426-4435.
Vermehrung
Bogenhanf lässt sich einfach vermehren. Die beiden gängigen Wege sind Blattstecklinge (braucht Geduld, funktioniert aber mit einem einzelnen Blatt) und Teilen (schnell, erfordert eine größere Pflanze). Mehr Grundlagen dazu findest du in unserem Überblick zur Pflanzenvermehrung.
Wenn du dir bei der Sorte unsicher bist
Vom Bogenhanf gibt es viele Zuchtformen. Schon innerhalb von Dracaena trifasciata können die Blätter völlig unterschiedlich aussehen (cylindrica, laurentii, hahnii, moonshine und viele weitere). Öffne Pocket Botanist, mach ein Foto und die App nennt dir die Art und die Sorte. Kostenlos für iPhone und Android, ganz ohne Account.
Quellen
- ASPCA, "Toxic and Non-Toxic Plants: Mother-in-Law's Tongue." aspca.org
- Royal Botanic Gardens, Kew, "Plants of the World Online: Dracaena trifasciata (Prain) Mabb." powo.science.kew.org